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VORSCHLAG FÜR EIN MINDESTPROGRAMM EINER BASISAUSBILDUNG IN PSYCHOMOTORIK

 


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EUROPÄISCHES NIVEAU DES BACHELOR
Art. 1: Definition

Aufgrund eines holistischen Menschenbildes, das von einer Einheit von Körper, Seele und Geist ausgeht, beschreibt der Begriff Psychomotorik die Wechselwirkung von Kognition, Emotion und Bewegung und deren Bedeutung für die Entwicklung der Handlungskompetenz des Individuums im psychosozialen Kontext.

Ihre wissenschaftlichen Referenzen sind medizinisch, psychologisch und neuropsychologisch, pädagogisch und sozialwissenschaftlich.


Art. 2: Kompetenzbereiche

Die Psychomotorik interveniert in folgenden Bereichen: Gesundheit, Erziehung und Forschung. Im Gesundheitswesen kann der Psychomotoriker in der Förderung des Wohlbefindens, der Prävention, der Pflege, der Reedukation, der Rehabilitation und der Therapie intervenieren.

Die Psychomotorik richtet sich an alle Altersstufen: Säugling, Kind, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen, und beschäftigt sich auch mit speziellen Lebensthemen wie z.B. Schwangerschaft und Lebensende.


Art. 3: Ausbildung

Die minimale Basisausbildung des Psychomotorikers entspricht dem europäischen Niveau des Bachelor, das heißt, einer Ausbildungszeit von 3 oder 4 Jahren (Deklaration von Bologna)

Die Studienangebote verteilen sich auf theoretische Einheiten, praktische Einheiten und Praktika.

Theoretische und praktische Einheiten (Dozent im direkten Kontakt mit den Studenten) müssen mindestens 20% der Gesamtstundenanzahl ausmachen.

Obligatorische Teilnahme gilt für alle theoretischen und praktischen Kurse, sowie für die Praktika.

Die Studierenden müssen die verschiedenen Inhalte dieser drei Kurstypen verbinden und auf ihrem Weg zum qualifizierten Psychomotoriker integrieren. Die Ausbildung muss so organisiert sein, dass dieser Integrationsprozess möglich ist.

Art. 4: Curriculum

4.1 Präambel

Die fachlichen Kompetenzen des Psychomotorikers setzen sich aus der Integration von Kenntnissen aus der Medizin, der Psychologie, der Pädagogik, der Sozialwissenschaften und des spezifischen Feldes der Psychomotorik zusammen. Der Student muss psychomotorische Interventionsformen beherrschen, sich leiblich erfahren und Empathie entwickeln.

Die menschliche Entwicklung und ihre Zusammenhänge, sowie ihre Abweichungen werden für alle Altersstufen studiert.

Die Studierenden müssen fähig sein, alle Aspekte der normalen und abweichenden Entwicklung des Menschen zu beobachten, zu beschreiben und zu beurteilen. Sie müssen fähig sein, psychomotorische Behandlungen/ Förderpläne zu entwickeln und anzuwenden.

Die Ausbildung muss die Studierenden befähigen interdisziplinär zu arbeiten, soziale und demokratische Fähigkeiten zu erwerben. Das Curriculum orientiert sich an den neuesten Erkenntnissen der Forschung und behandelt Fragen der Berufsethik.

Es ist wünschenswert, in der nahen Zukunft die Berufsfelder sowohl im Gesundheitswesen als auch im Erziehungsbereich für den Beruf des Psychomotorikers zu öffnen.

4.2 Grundlagen

Das Curriculum wird gemäß dem europäischen Standard in ECTS- Punkten dargestellt.
Eine Ausbildung von 3 Jahren entspricht 180 ECTS, eine Ausbildung von 4 Jahren entspricht 240 ECTS. Dementsprechend liegt die Psychomotorik-Ausbildung auf Bachelor-Niveau zwischen 180 und 240 ECTS-Punkten.

Die theoretischen und praktischen Kurse und die Praktika werden von den Ausbildungszentren organisiert.

Das Curriculum verbindet theoretische und praktische Kurse und Praktika. Die Verbindungen zwischen diesen Einheiten werden während des Studiums auf verschiedene Weisen hergestellt. Der Studierende muss die Inhalte der verschiedenen Kurse in Begleitung und unter Supervision der Studien- und Praktikumsverantwortlichen integrieren.

Die theoretischen Kurse müssen den Studierenden befähigen:

Die verschiedenen Konzepte der Studieninhalte zu beherrschen
Die Verschiedenartigkeit der Ansätze zu integrieren
Wissenschaftliche Fragen zu diskutieren

Die praktischen Kurse müssen den Studierenden ermöglichen:

Die psychomotorischen Prinzipien am eigenen Leibe zu entdecken und zu erfahren. Die eigenen Erfahrungen in diesen Kursen beziehen sich auf die theoretischen Konzepte und Fachtermini. Die Studierenden müssen die Verbindungen zwischen Bewegung, Emotion, aktuellem Erleben, Beziehung und der Persönlichkeit selbst erfahren und reflektieren. Die Studierenden vertiefen spezifische Interventionsformen wie zum Beispiel verschiedene Entspannungstechniken. Diese Erfahrung dient als Basis zur Entwicklung von methodischen, motorischen und leiblichen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten erfordern, dass die Studierenden sich mit allen möglichen motorischen und körperlichen Aktivitäten auseinandersetzen, um diese speziellen psychomotorischen Kompetenzen in den verschiedenen Kompetenzbereiche, wie sie in Art. 2 definiert sind, anwenden zu können.
Psychomotorische Tests und spezifische psychomotorische Beobachtungs- und Gesprächstechniken durchzuführen
Psychomotorische Gutachten und Behandlungs- und Förderpläne auszuarbeiten und anzuwenden
Erfahrung in Supervision und Reflexion zu erwerben.
Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis zu erkennen und Fallstudien, sowohl von gesunden wie kranken Menschen zu erstellen.

Die Praktika müssen den Studierenden befähigen:

Institutionen kennenzulernen und deren Arbeitsweisen zu verstehen
Die Entwicklung von gesunden Menschen, Kindern oder Erwachsenen zu beobachten und zu verstehen
Psychomotorische Kompetenzen und Störungen zu beobachten und zu analysieren
Psychomotorische Behandlungen und Förderungen zu beobachten und daran teilzunehmen, Evaluationsmethoden und psychomotorische Gutachten kennenzulernen und anzuwenden.
Interdisziplinär arbeiten zu können

Der Hauptteil der Praktika muss von einem erfahrenen Psychomotoriker betreut werden.

Alle Studien und Praktika werden evaluiert.

Am Ende der Ausbildungszeit präsentiert der Studierende eine Abschlussarbeit über ein psychomotorisches Thema, in der er zeigt, dass er die Inhalte der Ausbildung selbstständig in seine Arbeit integrieren kann.

4.3 Studienplan

Die relative Bedeutung jedes Fachs ist in ECTS-Punkten ausgedrückt. Entsprechend den europäischen Normen „Die Anrechnungspunkte spiegeln somit den quantitativen Arbeitsanteil wider, der für jede Veranstaltung im Verhältnis zum geforderten Studienpensum für den erfolgreichen Abschluss eines gesamten akademischen Jahres an der Hochschule aufgewendet werden muss (hier werden sie für eine Ausbildung von 3 Jahren definiert), d.h. Vorlesungen, praktische Arbeiten, Seminare, Tutorien, Exkursionen, Eigenstudium in der Bibliothek und zu Hause, Prüfungen und andere Formen der Leistungsbewertung.“

Um jedem Land die Freiheit zu lassen, das Studium an seine kulturellen und sozialen Besonderheiten anzupassen, stellt das Programm 75% (135 ECTS) des Gesamtaufwandes einer Ausbildung von 3 Jahren dar. Diese Prozentzahl gilt für jedes Fach und für das Gesamtprogramm. Dementsprechend stellt dieses Curriculum das obligatorische Minimalprogramm einer psychomotorischen Basisausbildung dar. Die Ausbildungsstätten müssen das Minimalprogramm vervollständigen, um auf das Bachelorniveau von 180 ECTS-Punkten zu kommen. Sie sind aber frei in ihrer Auswahl und Organisation der 25 % der restlichen Inhalte.

Appendix A (MS Word-file)

4.4. Bewertung der Studien

Die Bewertung des Studiums besteht aus der Kontrolle der Kenntnisse und Fähigkeiten des Studierenden.

Die Bewertung der Kenntnisse der theoretischen und praktischen Kurse geschieht durch kontinuierliche Kontrolle und Examen. Die Examen können schriftlich, mündlich oder praktisch sein. Diese Prüfungen werden benotet.

Die Leistung der Studierenden müssen gemäß den nationalen Bewertungssystemen bewertet werden.

Die Praktika werden durch den Praktikumsleiter oder die Ausbildungsstätte validiert oder bewertet.

Die Abschlussarbeit wird vor einer Jury verteidigt und gemäß dem nationalen Bewertungssystem benotet.

Zum Erhalt des Psychomotorik-Titels (Diplom, Zertifikat...) wird vorausgesetzt, dass alle theoretischen und praktischen Kurse, die Praktika und die Abschlussarbeit bestanden werden.

 
 
     
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